Selbstgeißelung und die Folgen

Ich habe mir am Sonntag zwar nicht den Rücken mit Peitschen verziert, aber für einen iPhone-Junkie war der Verzicht auf Computer, Internet und Socialweb verständlicherweise ähnlich schmerzhaft. Am Samstag gegen 23.00 Uhr wurde mir bewusst, dass am nächsten morgen keine Twitterfeeds zum Frühstück serviert werden oder mein Reader mit meinen persönlichen Nachrichten auf mich wartet.

Nein, es war die analoge Sonntagszeitung, die ich nur noch vom „Fisch einpacken“ kannte. Aber meine Synapsen waren in der Lage sich anzupassen. Eng getippte Buchstaben in 9pt Schriftgröße vermittelten meiner Netzhaut und mir, was an diesem Sonntag so schönes passieren würde bzw. in der letzten Woche passiert war. Etwas Farbe brachte dann meine kleine Tochter in den Tag. Sie durfte einen Film ihrer Wahl gucken und somit kam natürlich auch ich in den Genuss von flackernden Flüssigkristallen vor meinem Auge. Herrlich. Zwar keine Online-Pixel, aber so ein Kinderfilm tut es zur Not auch.

Der Mittagsschlaf meiner Kleinen war für mich dann eine Herausforderung. Am liebsten hätte ich mich auch schlafen gelegt. Ich fing an, ein Buch weiterzulesen, dass laut Angaben einiger Familienmitglieder so lustig wäre, dass man spätestens nach 30 Seiten es in einem Zug zu Ende lesen würde. Und genau nach 30 Seiten… hab ich auf dem Sofa gelegen zu schlafen. War wohl doch nicht so lustig. Der scharfe Ton meiner Frau ermutigte mich dann doch aufzustehen.

Nach einer Beschäftigung suchend, machte ich dann irgendwann Tee. Zum Glück wachte meine Tochter auch bald auf, so dass der Film zu Ende geguckt wurde. Der Rest des Tages verlief dann sehr entspannend. Das Wetter lud zwar nicht unbedingt zum Spazieren ein, aber etwas kalten Wind haben wir uns auch noch um die Nase wehen lassen. Um genau 23.13 Uhr war ich dann so gespannt, wieviel Emails ich wohl in der Zwischenzeit bekommen haben könnte und auch von wem, dass ich den Notebook hochfuhr. Parallel gab ich meinem iPhone wieder die Sporen. Zu meinem Erstaunen hatte ich außer Newslettern nichts verpasst, aber die Erkenntnis gewonnen, so einen Offline-Tag ruhig einmal durchzuführen. Man verschwindet nicht gleich aus dem Google-Index, wenn man einen Tag nicht online ist. Viel Spaß beim Selbstversuch.

p.s. Wer sich fragt, warum ich für diesen Artikel ein Foto von Gloria Gaynor ausgewählt habe, klickt einfach diesen Youtube Link an: Gloria Gaynor – I will survive.

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