Ich und der Einzelhandel

Tja, wer mich kennt, weiß auch genau, dass der Einzelhandel und ich nie „dicke Freunde werden“. Nicht umsonst gibt es einmal die Woche „Hasstweets“, die ich meistens direkt vom Kassenlaufband abschicke. Aber was ich in letzter Zeit mit dem Backhandwerk erlebe, muss einfach mal an die Öffentlichkeit.

Ich muss dazu etwas ausholen, da es sich um mehrere Erlebnisse (allerdings um die gleiche Bäckerei) handelt. Die Situation war folgende: Samstag morgen, ich mache mich auf den Weg die letzten Einkäufe zu erledigen, um nicht am Sonntag dieses unverschämt teure Klopapier von der Tankstelle kaufen zu müssen (2 Rollen zu 3,50 EUR). Der Einkauf war fast vorbei. Den Discounter habe ich ohne großen Blutrausch überstanden und ich brauchte nur noch ein besonderes Gewürz, dass nur bei einem Vollsortimenter zu bekommen war. Dort war noch nicht einmal viel los und ich war gedanklich fast schon wieder zu Hause am Frühstückstisch. Brötchen hatte ich noch auf der Liste und ich bin zu dieser „Backtheke“ im Laden gegangen. Ich griff mir eine XL-Tüte und merkte, dass die für mich vorgesehene Zange zur Entnahme nicht mehr an der Kette hing. Natürlich war die Kette der anderen Zange zu kurz. Und die Schütte mit Brötchen war bis zum Bersten gefüllt. Kurzes Anheben der Klappe ließ schon die ersten Semmeln in meine Richtung fallen.

Da beschloss ich ganz altmodisch zu einem Bäcker zu fahren. Keine Backtheke, keine Brötchenkette – ganz normal zum Bäcker. Fatale Entscheidung, wie sich nach kurzer Fahrt herausstellte. Ich trug der Bäckereifachangestellten meine Wünsche vor. Nichts Außergewöhnliches: „6 Normale, 2 Mohn und 2 Rosinen“. „Mohn hab ich nur noch eins“. – PENG! Mein Blutdruck fing an zu wabern. „Ja, dann nehme ich 7 Normale…“. Als ich in meinem Portemonnaie schon nach Kleingeld kramte, sagte die Frau im Kittel „Ich tu(h) noch eins mehr rein.“ „Aha, und wofür ist das?“, fragte ich natürlich. „Ja, weil die nicht mehr so frisch sind.“ „Ja, und warum sind die nicht mehr so frisch?“ „Das muss an der Luftfeuchtigkeit oder so liegen.“ Mein gesamter Körper schien sich rot zu verfärben. Und trotzdem war ich wie in einer Schockstarre. Ich hatte leider das Kleingeld schon abgezählt und legte es stumm auf den Tresen und ging. Keine 200 Meter gefahren war mir klar, dass ich mich den ganzen Tag ärgern würde und drehte wieder um. So blöd das klingen mag, tauschte ich die Brötchen um, nahm mein Geld und kaufte ofenfrische Brötchen von der Tanke. Es kamen noch ein paar Entschuldigungen der Verkäuferin, aber irgendwie habe ich das nicht mehr wahrgenommen. Ich war an diesem Tag sehr stolz auf mich, dass ich tatsächlich noch einmal umgedreht war, um mich von diesen „schluffen“ Brötchen zu trennen.

Ein paar Tage später, auf dem Weg zur Arbeit, halte ich an einer weiteren Filliale dieses „Premium-Backwarenherstellers“ an. Ein paar Brötchen und eine Flasche Kakao sollten es sein. Nichts ungewöhnliches, wie ich dachte. Tja, es kam natürlich anders. Der Kakao wäre ausverkauft, würde erst morgen wieder geliefert werden. Na gut, dann ohne, dachte ich und fuhr nur mit den Brötchen weiter. Natürlich gibt es in dieser kleinen Geschichte einen persönlichen Höhepunkt, der in meinen Augen zur kompletten Disqualifikation dieser Bäckerei als Dienstleister im Sinne des Kunden führt. Heute morgen, wieder auf dem Weg zur Arbeit, hatte ich den gleichen Wunsch geäußert. Ein paar Brötchen und eine Flasche Kakao. Bei der Verkäuferin entstand ein Blick von „den kenne ich ja“ und „wie bringe ich es ihm am besten bei“ gemischt mit purer Panik. „Wir haben noch keine Kakaos geliefert bekommen. Vielleicht morgen“ hieß es dann. Meine gesamte gute Laune war aus dem Gesicht gewichen und ich schwor mir, nach so vielen Entäuschungen am Stück keinen Fuß in irgendeine Filliale dieser Bäckerei zu setzen. Ich ging noch an den Tresen zum Bezahlen und als sie mir die krumme Summe sagte und mich nach passendem Kleingeld fragte, konnte ich mir ein „Nein, hab ich nicht klein, aber morgen vielleicht wieder.“ nicht verkneifen.

Mit einem gewissen Alter und den entsprechenden Blutdruckmitteln wird man sicherlich einen ruhigeren Einkauf verbringen, aber bis dahin muss mein Frust halt durch das Ventil „Internet“ in die Welt entlassen werden. Ich werde allerdings, auch nicht auf Anfrage, den Namen dieser Bäckerei in Moormerland mit ihren 3 Fillialen verraten. Versprochen!

2 comments

  1. timo says:

    ich kanns so gut nachvollziehen! danke für diesen amüsanten, leider realitätsnahen beitrag. machen wir nen deal: ich nenne dir n wirksames blutdruckmedikament ind du mir die bäckerei?

  2. Paul says:

    Dafür hat man ja meist solch einen Blog, al Ventil fürs Leben in all seinen Situationen 🙂

    „die ich meistens direkt vom Kassenlaufband abschicke.“

    Achso, dann bist du also einer von denen, die immer mit gesenktem Kopf vor der Kasse stehen und mit ausgestrecktem Arm das Geld auf den Tisch fallen lassen, weil Twitter und Co sie einfach nicht los lassen? 😀

    Bin auch so hehe

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