Freiwillig verpflichtet!

Freiwillige Feuerwehr

Seit einem Monat habe ich mich dazu entschlossen in die Freiwillige Feuerwehr (FFW Jheringsfehn) einzutreten. Zwar bin ich noch nicht fertig ausgebildet, habe auch noch nicht alles an Uniform oder Ausrüstungsgegenständen, aber bei den Dienstabenden bin ich da und beteilige mich wie die anderen auch.

Warum, stellt sich sicherlich so mancher die Frage, bin ich in die Freiwillige Feuerwehr eingetreten?

Ich kann die Antwort am besten mit einer kleinen Geschichte beantworten, die ich im Sommer auf einer Internetseite einer Wehr aus dieser Gegend gelesen habe. Die Geschichte ist etwas länger, es lohnt sich aber die Geschichte einmal gelesen zu haben und sie erklärt auch genau meinen Grund für den Eintritt:

Es prasselt, als würde jemand Erbsen auf ein Dachfenster fallen lassen, aber es kommt nicht von oben. Es kommt durch das geöffnete Schlafzimmerfenster. Und erst als wir davon wach werden, können wir das Feuer auch riechen und sehen. Als wir nach draußen rennen, beleuchtet der Widerschein des Feuers die Szene mit seinem typisch unruhigen Licht. Außer dem Besitzer des Anwesens und uns ist nur noch ein weiterer Nachbar da. Beide bemühen sich, den Brand mit Gartenschläuchen in Schach zu halten. Der Rest der Leute aus den benachbarten Häusern, der nicht schon im Urlaub ist, verbringt den Sommerabend wohl irgendwo anders bei Freunden und Bekannten. Die Gefahr ist offensichtlich: Die Bauhütte brennt bereits lichterloh und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Feuer auf den Neubau übergreifen wird. „Ich habe die Feuerwehr schon gerufen…“ sagt der Besitzer. „Vor 20 Minuten…“ fügt er resigniert hinzu. Alle nicken verstehend. Es dauert nun mal seine Zeit, bis die Feuerwehr kommt, wenn man nicht in der Stadt wohnt, wo es eine Berufsfeuerwehr gibt, die rund um die Uhr besetzt ist. Das Problem liegt aber nicht in der Entfernung – das alte Zeughaus liegt nur etwa fünf Minuten von uns entfernt…Da hören wir das Martinshorn und man kann auch das Flackern des Blaulichtes schon sehen. Der Besitzer des Grundstückes läuft ihnen entgegen, damit nicht noch mehr Zeit verloren geht. „Mensch – so ein Glück, daß die schon da sind…“ seufzt der andere Nachbar erleichtert und blickt auf seinen Gartenschlauch. „Damit kommt man ja wirklich nicht weit…“ Nur zwei Mann sitzen im Löschfahrzeug. Und wie zu erwarten, sind es Pensionäre. Einer der beiden, der wie ich weiß schon über 60 ist, aber immer noch sehr dichtes, dunkles Haar hat, verschafft sich rasch einen Überblick. „Der war früher der Kommandant – als die Freiwillige Feuerwehr noch mehr Mitglieder hatte. Unser Glück, daß der da ist… Eigentlich dürfte er in seinem Alter gar nicht mehr…“ Der Alte trifft rasch seine Entscheidungen: „Hans, Du versuchst erstmal den Brand mit dem Tankwagenschlauch vom Neubau wegzuhalten, bis ich denen hier gezeigt habe, was zu tun ist… Ihr kommt mit und helft mir, eine Saugleitung vom Löschteich aufzubauen.“ „Und was ist mit der Bauhütte?“ fragte ich. Der Alte sah mich skeptisch an: „Die ist eh nicht mehr zu retten. Die Zeiten, wo wir genug Leute hatten, um einen Brand zu bekämpfen, sind vorbei. Heutzutage verwalten wird hauptsächlich das Feuer, das wir vorfinden. Also los!“.

Eigentlich war es erstaunlich, daß wir den Neubau retten konnten. Und hätten uns die beiden Alten nicht so klare Anweisungen gegeben, wir hätten wohl nie Wasser in die großen Schläuche bekommen. Als wir vor den glimmenden Resten der Bauhütte standen, meinte meine Freundin: „Das war knapp…“ „Da haben wir schon Schlimmeres erlebt“, entgegnet der Alte. „Das war ja nichts Großes. Wir waren nur viel zu wenige. Erst recht zu wenige Ausgebildete.. zwölf Aktive… damit kommt man nicht über die Urlaubszeit.“ „Aber warum werden dann nicht mehr ausgebildet?“, frage ich. „Weil keiner kommt, wenn man was macht – weil keiner Zeit hat. Eine Jugendgruppe haben wir schon seit zwei Jahren nicht mehr. Freiwillige Feuerwehr – so etwas kostet nun mal Zeit. Die Zeit, die man beim Einsatz nicht hat, die braucht man zum Üben.“ Er will gerade weiterreden, als ein Piepsen ertönt. Tüt.. tüt.. tüt. „Ein Dreier-Alarm..“, sagte der Alte und hält mir den Feuerwehr-Piepser hin. Aber das Gerät hört nicht auf… tüt.. tüt..tüt..

Tüt.. tüt.. tüt.. – ich schlage die Augen auf. Wie immer drücke ich zuerst auf dem Wecker herum, weil ich denke, daß er es ist. Aber beim Blick auf die Uhr wird mir klar, daß es erst viertel nach drei ist. Samstag nacht. Meine Freundin ist auch wach… „Piepser?“ fragt sie schlaftrunken. „Ja“, sagte ich, „ein Dreier-Alarm…“ Keine Frage, wir werden jetzt rasch in die Klamotten springen und mit dem Auto zum Feuerwehrhaus fahren. Wir wollen es. Wir haben uns freiwillig dafür entschieden. Und deshalb müssen wir jetzt auch – ziemlich egal wann. Ob es draußen kalt oder warm ist. Denn stellt euch vor, es gibt eine Freiwillige Feuerwehr und keiner geht hin…

Gefunden bei FFW Hatshausen

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