Willkommen in der Zukunft

Das letzte Jahr ist um und man soll ja keine alten Wunden öffnen, aber mein Einkaufserlebnis vor den Feiertagen beim Multi Ostfrieslandcenter muss noch einen Weg in die Server des Internets finden.

Es begab sich wie folgt…

Meine Frau und ich hatten unsere kleine Tochter extra bei Oma und Opa „geparkt“ um in Ruhe die letzten Einkäufe vor Weihnachten machen zu können. Es ging ins Multi Ostfrieslandcenter wo es vorab einen Snack bei unserem Lieblingsasiaten geben sollte. Bis mitten in die Mall war die Schlange, aber wir stellten uns brav hinten an. Plötzlich kam eine ältere Dame, wahrscheinlich eine Verkäuferin in einer Boutique in der Mall, seitlich an die Schlange und demonstrierte uns stumm das Prinzip „Reißverschlussverfahren„. Nachdem meine Ader am Hals fast schmerzlich zu pochen anfing und ich am Blick meiner Frau sehen konnte, dass wir uns über die Reihenfolge zur Fütterung sehr einig waren, sprach ich die Dame an, ob sie hier auch anstehen würde. Natürlich war sie überrascht und erklärte mir, dass das ja hier so funktionieren würde. Mit Nachdruck erklärte ich ihr dann, dass es besser wäre, wenn wir in jedem Fall vor ihr dran kämen. Sie hat das dann auch eingesehen. Nach dieser anfänglichen Aufregung landeten wir mit unseren gebratenen Nudeln am letzten freien Tisch und genossen stumm unser Essen.

Beim Blick nach oben fiel mir ein Schild auf. „Hier kostenlos surfen!“ stand auf dem Plakat. Bei dem schlechten 3G-Netz im Multimarkt hatte ich mich schon gefreut. Ich machte mich kurzerhand zur Information auf, wo man sich ja „einfach das Passwort abholen“ konnte. Etwas musste ich mich ja beeilen, da sonst mein Essen kalt werden würde. An der Info sah‘ es aber nicht nach schneller Abfertigung aus.

Zig‘ Gutscheine wurden ausgestellt und bearbeitet von definitiv überforderten „Infokräften“. Als ich an der Reihe war und was von kostenlosem Wlan faselte guckte die ältere Verkäuferin mich nur ungläubig an. Meine Nudeln waren bestimmt schon kalt, dachte ich. Plötzlich war eine Kompetenzperson hinterm Tresen. Eine etwas jüngere Verkäuferin mit weißem Kittel drückte an einem Computer eine Taste und aus einem Bondrucker kam ein Zettel mit Nutzername und Passwort. (In einem Moment der Kleinkriminalität hab ich den Bon über den Tresen hinweg geknipst). Ich sollte aber noch nicht am Ziel gewesen sein. Ein DIN A4 Ordner wurde mir vorgelegt, in den ich mich doch bitte eintragen sollte. Name, Anschrift, Telefonnummer und natürlich noch Datum und Uhrzeit waren von mir auszufüllen. Das war zwar schnell erledigt, nur leider fehlte mir danach danach die Kompetenzperson um mir den Bon zu geben. Die andere Omi konnte das nicht und ich musste wieder warten. Aus Liebe zu meinen gebratenen Nudeln und meiner Frau, die noch immer beim Asiaten saß,  beschloss ich kurzerhand meine Kontaktdaten aus dem Ordner zu löschen und das WLAN-Projekt abzublasen. Genüsslich schoss ich beim Essen noch das ein oder andere Foto, dass dann ganz herkömmlich übers 3G Netz den Weg zu Instagram und Co. gefunden hat.

Ich bin froh über meine mobile Datenflat und die Möglichkeit so auch jederzeit online zu gehen, ganz ohne die Gunst der Familie Brahms.

Fazit: im Ansatz ein netter Gedanke, Ausführung und Praxis mangelhaft.

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