Von der Mühlenstraße in die Altstadt

Felizitas und Heiner Unkel (v.l.n.r.) vom Brillenfachgeschäft modernoptic in LeerIn der 3. Klasse war es leider soweit. Ich brauchte eine Brille. Begeisterung kam damals nicht auf, soviel weiß ich noch, aber an einem Samstag ging es dann zum Brille gucken. Bei modernoptic sind wir schließlich fündig geworden. Ich kann mich noch genau an den massiven Tisch in der Ausstellung erinnern. Ein riesiger versteinerter Baumstamm, der Kunden mitten im Laden dazu einlud, Lupen zu testen, indem sie die Jahresringe zählten. Schon damals waren überall Luftbilder von Herrn Unkel im Geschäft zu sehen. Ein Hobby, dass für ihn bis ins hohe Alter seine Freizeit prägte.

In der Zwischenzeit habe ich viele Brillen von vielen Optikern gehabt. Mal war ich gut und mal weniger gut beraten. Vor einem Jahr gab es dann doch mal wieder eine von Herrn Unkel. Alle Discounter in der Umgebung hatten einfach nicht das was ich suchte und das waren nicht die modischen Gestelle sondern die gute Beratung. Bei fielmann ist es, in Leer zumindest, schon soweit das es einen Vorraum für die Schnellabfertigung gibt und die Ausstellung kann fast nur betreten oder angeschaut werden, wenn man sich an einen fast nie freien Beratungstisch setzt und sich von einem Verkäufer die Gestelle an den Tisch holen lässt. Aber ich will ja nicht meckern sondern eher loben. Denn mein Besuch bei Herrn Unkel, der über 3 Stunden andauerte, war von durchgehender guter Laune geprägt und trotz kleiner Tochter im Schlepptau wurde das lange Warten nicht unangenehm.

Mit den Gläsern hatte ich allerdings etwas Pech. Seit kurzem hatten sich Riefen auf der Oberfläche gebildet, die auch nicht wegzuwischen waren. Es fühlte sich beim Sehen wie ein Fettfleck an, den man den ganzen Tag vor Augen hat. Mir wurde dann ein Optiker alter Schule nahegelegt, der auch vor kniffeligen Problemen nicht zurückschreckt. Es ging in die Brunnenstraße zur Altstadt-Optik. Da wurde sich auch fachmännisch dem Problem angenommen und es stellte sich heraus, das der Glashersteller zu dieser Problematik neigt. Die Schicht mit der Entspiegelung würde sich dort nämlich bei Kunststoffgläsern sehr oft zu früh lösen. Schon eine Woche später waren die neuen Gläser eingeschliffen.

Neue Luftbilder werde ich bei Altstadt-Optik wohl nicht zu sehen bekommen, aber meine nächste Brille kommt ganz sicher aus der Brunnenstraße in Leer.

Von 0 auf 11111011100 in 30 Jahren! – Teil 2

Teil 2/6 – Die neue Freundin

Ein Computer musste nun endlich auch bei mir her. Zum Problem wurde allerdings, dass bei meinen Eltern der schlechte Ruf der Kisten angekommen war. Der Ruf besagte, das diese Kisten nur zum Spielen dienen würden. So machten meine Eltern mir den Vorschlag, zur Konfirmation einen Computer zu bekommen, wenn ich vorher einen Schreibmaschinenkurs bei der VHS machen würde. Ab da hieß es 3 Monate lang, jede Woche “ja jaffa ja”, aber es hat sich gelohnt.

Pünktlich zur Konfirmation stand der Amiga 500 bei mir im Zimmer. Wahnsinn. Das Gefühl als ich das erste mal diese feste Diskette (3,5 Zoll) einlegte und sich die Workbench zu laden begann…  das fühlte sich ein wenig an wie die persönliche Mondlandung. Mit der klobigen (und doch schon sehr ergonomischen) Zweitastenmaus bewegte man auf dem Fernseher (Monitor war nicht mehr im Budget inbegriffen) einen stark verpixelten, roten Mauspfeil. Dabei muss gesagt werden, dass der Nutzer einer Flickerbox auf dem Fernseher nie soviel Pixel wahrgenommen hat, wie der Monitorbesitzer. Es war alles wie mit einem Weichzeichner verschwommen.

Natürlich habe ich trotz VHS Kurs auch gespielt. Ich gehörte nicht zu den Zockern, allerdings vergingen bei Monkey Island auch schon mal so ein paar Tage. Schon allein wegen des Diskettenwechsels (Der erste Teil hatte glaube ich noch erträgliche 4 Disketten, beim 2. Teil waren es schon wesentlich mehr!).

Mein Amiga 500 wurde relativ früh mit einer Speichererweiterung getuned. 512 Kilobyte kamen zusätzlich in das Schmuckstück und mit einem Arbeitsspeicher von einem MEGAbyte! konnte man sich dann auch wohl mal eine RAM-Disk gönnen. Da hatte man wesentlich schnellere Zugriffe als auf das Diskettenlaufwerk. Dann kam ein zweites Diskettenlaufwerk und der Drucker. Ein Star LC-20, Nadeldrucker mit 9 Nadeln. Das letzte Stück Hardware für den Amiga war mein Action Replay III. Amiga User werden über den Segen dieses kleinen Zusatzgerätes Bescheid wissen. Ein Druck auf den Freeze-Button und schon konnte während eines Spiels kurzerhand die Zahl der verbliebenen Leben erhöht werden, etc.

Der Amiga war mit der Workbench allerdings von einem Rund-um-Sorglos Paket weit entfernt. Oft musste man tief im System Veränderungen vornehmen. Wusste man nicht, wie das ging, setzte man sich aufs Rad und fuhr zum nächsten Amiga User. Dafür musste man aber oft nie weit fahren, denn die Community war sehr groß. So konnten sich auch die Spiele schnell verbreiten. Zwar waren diese nicht so einfach zu kopieren, aber Cracker und Hackergruppen kümmerten sich schnell um so etwas. Oft wurde als Visitenkarte der jeweiligen Hackergruppe ein so genanntes Demo vor die Startsequenz des Spieles gesetzt um mit der Leistung anzugeben, den Kopierschutz geknackt zu haben.

Die Demoszene ist auch heute noch sehr groß. Ziel ist es dort allerdings nicht mehr, Kopierschutz zu knacken, sondern mit möglichst wenig Programmcode ein grafisch und musikalisch aufwendiges Intro zu schreiben. Zum Programmieren bin ich auf dem Amiga nie wirklich gekommen. Kurze Versuche in Amiga Basic gab ich auf, nachdem ich aus Zeitungen abgetippte Listings nicht zum laufen bekommen habe. Eine große Leidenschaft war auf dem Amiga Musikprogramme wie Soundtracker oder Protracker. Man konnte Musikfiles mit gesampleten Instrumenten erstellen. Auf 4 oder 8 Spuren verteilte man die Töne und konnte auch als Laie hörbare Ergebnisse erzielen. Erbe dieser Songs sind heute noch die MOD-Files, also die Patternlisten mit eingebettenen Samples (Hier ein Link zu einem umfangreichen Archiv für MOD-Files). Winamp auf Windows spielt die heute sogar noch ab (Hab getestet, der VLC-Player spielt die auch noch immer ab). Für Schulzwecke wurde mein Amiga dann auch “missbraucht”. Referate wurden mit Beckertext getippt und Pagestream, eines der wenigen DTP-Programme sorgte für schöne Glückwunschkarten.

Nachste Woche geht es weiter mit dem 3. Teil „Der Personal Computer“ …to be continued!

Links zum Thema Amiga: Amiga Graphics Archive : Commodore Online Museum

Von 0 auf 11111011100 in 30 Jahren!

Die Computer kommen in die Jahre. Das große Presseecho vom 30. Geburtstag des Commodore C64 (Links am Ende vom Artikel) hat mich auch über meinen Weg zur IT Welt nachdenken lassen. Ich will in diesem Zusammenhang einmal meinen Weg aufschreiben und dabei die ein oder andere Anekdote aus der Zeit auf keinen Fall vergessen.

Teil 1/6 – The early Times

Es war zur Zeit, als Elektronikläden noch mehr Glühlampen als Disketten hatten. Da wurden hier und da mal Regale für viel zu teures Technikspielzeug freigeräumt. Betriebsbereit mit Monitor präsentierten sich die ersten Computer, die ich so wahrgenommen habe. Da waren der C16 von Commodore und der Sprectrum. Natürlich wurde auf den Dingern gleich rumgetippt und ausprobiert. Die ein oder anderen “Kollegen” links und recht am Regal wussten schon mehr und man hat schnell gelernt. Man freute sich wie ein König über das Ergebnis eines 2 Zeilen Listings wie zum Beispiel:

10 PRINT “HALLO”
20 GOTO 10

Am liebsten hätte man die Verkäufer herangerufen um Ihnen stolz das Werk zu präsentiern. Aber wie heute waren es schon damals nur Verkäufer und waren der Materie fast so fremd, wie die Eltern, die mit ansehen mussten, wie man plötzlich beim Einkaufen ganz ohne weiteres für mehrere Stunden an einer Stelle stehen blieb.

Eines meiner absoluten Lieblingsspiele auf dem C64er. H.E.R.O.

Mein Weg führte mich auf die Realschule, die zu der Zeit noch nicht im entferntesten an einen Informatikraum dachte. Zu Hause hatte das Thema Computer auch keine relevante Bedeutung. Ein altes Telespiel mit 2 Controllpaddels (Potentiometer) war das einzig pixelige was auf den Fernseher geworfen wurde abgesehen vom Fernsehbild. Bei Bekannten hatte ich öfter mal an einem C64 gesessen und durfte die glorreichen Zeilen tippen:

LOAD “$”,8

Es wurde an diesen Kisten allerdings nur gespielt. Das Keyboard brauchte man nur zum Laden der Spiele. Ernsthaft hatte sich keiner mit Programmierung oder Anwendungen beschäftigt. Ein Freund bekam dann irgendwann seinen Computer, einen C128 D. Optisch schon wesentlich mehr als eine Konsole mit Tastatur, aber der 128er wurde glaube ich eh am meisten im C64er Modus gestartet, um dann auch volle Kompatibilität zu allen Spielen zu haben. Ich habe allerdings einmal GEOS auf dem 128er gesehen. Schon witzig, wenn der Mauspfeil mit dem Joystick gesteuert wurde.

Nachste Woche geht es weiter mit dem 2. Teil „Die neue Freundin“ …to be continued!

Links zum C64 Jubiläum auf Financial Times Deutschland : Giga : Stern